Froschkönig

“Ich habe das Bild zum ersten Mal in einem Schaufenster nahe eines belebten Marktes gesehen und es hat mich sofort gepackt, denn trotzdem, dass es ein künstliches Bildobjekt ist, empfinde ich beim Betrachten die dem Wasser eigene Atmosphäre deutlich.

Einerseits durch das Farbenspiel von Türkis und Blautönen, das wie in der Natur erlebbar zu keinem Zeitpunkt richtig festzuhalten ist. Andererseits durch die Malweise, in der die Künstlerin das Material Farbe vielfach rinnend, also in ihrer nassen Erscheinungsform, fast noch im Fließen belassen hat. Eine myripa eigentümliche Schwermütigkeit liegt auch in diesem Bild, das durch unergründbare, schwarz gefärbte Wasseruntiefen, die wie Tintenkleckse eine sich ausbreitende Auslöschung androhen, sowie durch den applizierten Fremdkörper “Plastikflasche”, getarnt als Seerose zwischen den Wasserpflanzen, ein Bewusstsein dafür vermittelt, dass die Idylle gestört ist, und als Grund menschliche Unachtsamkeit andeutet. Der bevorstehende Verlust wird durch den grafischen, schwarzen Rand, der uns von Partekarten vertraut und uraltes Symbol in der Papierkommunikation unserer Kultur ist, selbst bei unbewusster Wahrnehmung spürbar.

Ein in dem dargestellten Wasserraum beheimatetes Lebewesen, ein mit weißen, unschuldigen, fragilen Strichen in das Ambiente gesetzter Frosch, wirkt als einziger nicht in 2D gemalte Bildteil fast lebendig auch durch die wachen, feuchten Augen ‐ ein wiederkehrendes Motiv in allen Arbeiten der Künstlerin.

Zusammen mit seinem melancholisch anmutenden Gesichtsausdruck und seiner entspannten, majestätischen, auch resignierenden Ruhe löst das Betrachten in mir den Willen und die Hoffnung aus, jetzt noch etwas gegen den Verlust von Lebensschätzen unternehmen zu können. Alles in allem ist es daher kein drohender Zeigefinder, der mich da anschaut, sondern eine gelassene, lebendige Kreatur, die mich als Gegenüber stehen lässt und mir Zeit gibt, meine eigenen Wege zu gehen, selbst zu entscheiden welche Ziele ich verwirklichen will.

Diese Bildsprache im Schaffen von MYRiPA mit den sehr feinen, unschuldigen, geisterhaft wirkenden Kreaturen, die sich gegen das flächige Umfeld, den sich im Fluss befindenden leuchtenden Farben deutlich abheben und sich immer im Gegensatz befinden zu dem bedrohlichen Schwarz, welches grafisch eingesetzt und in anderen Werken dieser Schaffensperiode auch mal mit typografischen Worten verstärkt wird, spricht eine trotzige, subtile, feinsinnige Sprache, die herausfordernden Spielraum fürs eigene Denken schafft ohne fertige Antworten mit zu liefern.

Diese überzeugte Meinungsäußerung und Konfrontation mit einer persönlichen Sichtweise kombiniert mit Freiraum für die eigene Meinung der BetracherInnen lässt die Achtung von Lebewesen, Menschen wie Tieren, heilsam nachspüren.”

– katP, Bildarbeit & Design | Vienna| www.katp-bildarbeit.at | Logo

‘Froschkönig’ | Acryl and mixed media on canvas| Mischtechnik auf Leinwand | Size: 80 x 100 cm

 

Froschkönig
stoisch im Sturm
tief über Wasser
mit schwarzen Korallen
darüber in allem
der Schlack
am Horizont

©myripa

 

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