Der Krise Sinn geben – das könnte ganz gut sein

🔊 Hören statt lesen!

Ich frage mich oft nach dem Sinn – so als gäbe es den einen Absoluten. Mitten im Covid-19 Shut-Down der gefühlten Welt, drängt sich diese Frage besonders auf. Diesmal hat mensch auch wirklich mehr Zeit dafür, mehr als sonst jedenfalls und mehr als einem vielleicht lieb ist. Die schnelllebige Wirtschaft wurde in voller Fahrt gestoppt. Ein kurzes Atem anhalten nach rasender Gefrässigkeit der letzten Jahrzehnte. Das Momentum ist gestoppt – und das könnte ganz gut sein.

Wir wissen alle wie schwer es ist ein verflixtes Momentum herunterzubremsen, und unser kollektives war ein sehr zerstörerisches. Atem anhalten. Nachspüren. Ist das was wir hier tun verdaulich – überleben wir es? Nein ich rede nicht von der kleinen Mikrobe die die Welt – zu Recht oder nicht, aber effektiv – in Atem hält. Ich rede von diesem menschengemachten Wahnsinn in den wir uns getrieben haben. Der Wahnsinn, in dem uns ein klitzekleiner Organismus – vielleicht – einen Moment der Klarheit beschert.

 

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut

Erinnert ihr euch an diesen Slogan, der unseren Wahnsinn bestätigt und Zwang erzeugt? Ein fette Lüge, wie sich herausstellte: Die Wirtschaft, diese unantastbare Entität, wird über alles gestellt, auch ganz großflächig über menschliches Wohl. Diese Wirtschaft also!
Für sie werden Kriege geführt (jetzt für globalen Waffenstillstand unterschreiben!) und über Leichen gegangen.
Für sie prostituieren sich die meisten Politiker und Regierungen.
Für Sie wird uns der Strand gestohlen (wußtest du dass uns der Sand ausgeht ?) damit die Bauwirtschaft weiter Gebäude bauen kann die sich keiner mehr leisten kann.

Für die Wirtschaft werden unsere Mitgeschöpfte gequält und zu Milliarden ermordet um noch mehr Zivilisationskrankheiten über Billigprodukte auf unseren Teller zu bringen.
Wenn die sogenannte grüne Revolution in erster Linie Bauern in den Selbstmord treibt und einzelnen Unternehmen Gewinn bringt, für wen ist es dann eine Revolution?
Wenn es wirtschaftlich rentabel ist Boden, Luft und Wasser zu vergiften und von denen zu kassieren die im Einklang mit der natürlichen Umwelt arbeiten?
Die Folgen dieses Wirtschaftens werden bevorzugt ‘externalisiert‘ um dem Verursacherprinzip – also der Verantwortung – weitgehend zu entkommen.
Wenn sich die Wirtschaft auf diese Art rechnet, dann ist die Rechnung einfach gelogen.

Für die Wirtschaft werden Menschen ausgegrenzt und ausgebrannt, weil sie sich eine Existenzberechtigung scheinbar erst verdienen müssen. Der Preis dafür inkludiert u.a. gesellschaftsdurchseuchende Depression, Sinnverlust, Zivilisationskrankheiten, Substanzmissbrauch und Gewalt in unvorstellbaren Ausmaß. Unter all dem vor allem eines: Angst. Aber auch das alles hält die Wirtschaft irgendwie am Laufen. Für die Wirtschaft werden destruktive Verträge abgeschlossen und Regeln beschlossen, die es Firmen erlauben ihren Profit auf Kosten von Mensch, Natur und Gerechtigkeit einzuklagen.

Mutter Natur, Gaia, Pacha Mama, die Erde – sie stellt uns alles was wir brauchen und mehr kostenlos zur Verfügung – und wir reißen ihr die Kleider vom Leib, vergiften sie und treten auf sie ein. Profitieren tun davon nur ein paar Wenige, den Preis zahlen wir alle bereits.

 

Dieses ausbeuterische, verblendete System hatte ein Momentum das schier gar nicht mehr aufzuhalten war. Bis jetzt.

Können wir uns überhaupt vorstellen in einer Welt zu leben in der Geld nicht regiert? Ich bin überrascht und, zugegeben, noch misstrauisch ob der vollständigen Motivation dahinter, wenn innerhalb von weniger Tagen das möglich ist, was bisher unvorstellbar, ja gar blasphemisch war: Dass menschliche Gesundheit plötzlich mehr Wert sein soll als die Wirtschaft. Sprach’s.

Natürlich hängt auch an der Wirtschaft ganz viel von unserem menschlichen Wohlstand ab, wenn ganze Existenzen bedroht werden. Wir sind hier aber abhängig von einem weitgehend ungesunden System, und es war nur mehr eine Frage der Zeit bis der Bogen überspannt.

Dieses System muss so nicht sein. Gesellschaften können ganz anders gedacht und gelebt werden, Systeme regenerativ gestaltet werden, damit sich auch Menschen wieder regenerieren können. Es gibt schon Ideen und Visionen, die nur auf Umsetzung warten. Und wir sehen jetzt vielerorts wie schnell sich die Natur regeneriert.

 

Selbstheilung passiert von selbst, wenn wir ihr nicht im Weg stehen

Visionen von grünen, essbaren Städten, kleiner Kreislaufwirtschaft die ineinandergreift statt globale steuerflüchtige Auslagerungen, faire, soziale und regionale sowie glokale (global denken, lokal handeln) Handlungs- und Wirtschaftsspielräume: situationsflexibel und ganzheitlich gedacht. Als Menschen müssen wir uns endlich als Teil der Natur verstehen, als Kinder der Erde, nicht als ihr Bezwinger. Es gibt so nichts zu gewinnen.

Das kann mensch weiterdenken: Dass wir mit all unseren individuellen Stärken und Fähigkeiten zu MitgestalterInnen einer lebenswerten und lebensfähigen Welt werden.

Ich denke hier nur beispielsweise an Permakultur, mooncups, urban und vertical gardening und Pilze die Plastik fressen, Hanf als vollständiger Ersatz für Mineralöl und all dessen Produkte. Ich denke an Zahnseide aus Maisstärke (gefunden bei denn’s, von outdoor freax), Strohhalme endlich aus Stroh, Gemeinschaftswohnen statt Einzelhaft,  bedingungsloses Grundeinkommen (oder gar kein Geldsystem mehr?), Beikräuter statt Unkräuter, Pestizidbesteuerung und Subvention regenerativer Wirtschaftsweisen, Inklusion und Interesse statt Ausgrenzung und Angst, Kommunikation statt Konflikt.

Das klingt heute gar nicht mehr sonderlich utopisch. Wenn wir alle gemeinsam träumen, erschaffen wir vielleicht eine traumhafte Welt. Es braucht keinen vielgefürchteten Verzicht, nur ein Umdenken. Die Beweise liegen schon vielfach vor, und das ist erst der Anfang des Möglichen.

Auf persönlicher Ebene sind wir jetzt fast schon zur Rückschau und Nabelschau gedrängt – wer sich lieber ablenkt, ist vielleicht in guter Gesellschaft, aber tut sich und der Welt nicht zwingend etwas Gutes. Es ist auch ein gewisser Luxus sich dieser Frage widmen zu können.

 

Vieleicht sollten wir uns die Frage nach dem Sinn viel öfter stellen

… nicht aus Verzweiflung, sondern als Leitfaden, und alles ein bisschen bewußter. Jetzt haben wir eine gewisserweise eine einzigartige Gelegenheit zu zeigen was wirklich in uns steckt, als individuelle Seele und als Kollektiv. Wir werden sehen.

Mit all dem will ich natürlich nicht beschönigen oder negieren was durch diesen Corona Virus an tatsächlichem Leiden, direkt oder indirekt, entstanden ist und entsteht. Im Gegenteil.

Auch wenn wir vielleicht keinen inhärenten Sinn in diesem Ausnahmezustand finden, so könnten wir die Chance nutzen dem Ganzen einen wirklichen Sinn zu geben.

Krankheit, Tod, Verlust das sind leider Dinge die wir gerne als Menschen ausblenden solange es geht, und dennoch begleitet uns deren Potential jede Sekunde. Wir könnten auch unsere Vergänglichkeit als sinnstiftenden Faktor wahrnehmen und damit unsere Prioritäten neu ordnen. Wie können wir dieser Situation einen Sinn geben – persönlich, gesellschaftlich und global?

Könnten.

Vielleicht.

Träumen.

Noch sind wir mittendrin, und es ist für mich noch nicht abzusehen wie wir uns entscheiden werden – business as usual oder doch besser als bisher? Aber ich wage es den weißen Wolf zu füttern, denn die Energie folgt der Aufmerksamkeit.

 

 

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